Bremen: Gerichtsprozesse in englischer Sprache.

30. August 2010


Der Bremer Weser-Kurier machte heute mit einer Schlagzeile auf, die ziemliches Entsetzen auslöste. „Bremer Richter wollen Prozesse in Englisch.“ – In Englisch? Das macht neugierig. Plattdeutsch, das wäre evtl. noch nachvollziehbar, schließlich sendet Radio Bremen auch Nachrichten auf Platt, aber Englisch? – Haben wir noch das Nachrichten-Sommmerloch, die saure Grukenzeit für Journalisten? Oder ist die Meldung ein neuerlicher Beweis dafür, dass das kleinste Bundesland doch besser in einem Nordstaat aufgehen sollte? Fragen über Fragen, die einem augenblicklich durch den Kopf gehen.

Der Artikel ist dann doch eher enttäuschend. Keine vergeistigten und der realen Welt entrückte Bürokraten. Keine misanthropischen Juristen, die dem Hochadel und Klerus vergangener Zeiten gleich, in einer anderen Sprache als das Volk parlieren wollen. Des Rätsels Lösung: Man möchte Verfahren in internationalen Handelssachen in englischer Sprache führen. Es geht darum, dass dem Staat angeblich erhebliche Einnahmen verloren gehen, weil der überwiegende Teil der Handelsstreitigkeiten vor privaten Schiedsgerichten ausgetragen wird. Es geht also um eine Art juristische Geschäftsidee.

Dass es eine eher spröde Story in Bremen auf die Titelseite schafft, ist der Kreativität der Schlagzeilenproduzenten zu verdanken. Der Freelancer-Blog hat in der Vergangenheit bereits über die Neuausrichtung des Weser-Kurier berichtet. Für nüchterne, norddeutsche Zeitungsleser ein ganz neues Lesergefühl, durch reißerische Schlagzeilen aufgepeppte B-Stories auf der Titelseite zu finden.

Staatlich garantierter Mindestlohn für Millionäre.

14. Juli 2010

Das unser Staat einige Freiberufler mehr liebt als andere, hatten wir im Freelancer-Blog schon mehrfach erwähnt. Beispielsweise im Hinblick auf Gebührenordnungen für Juristen oder Ingenieure. Im Prinzip eine Art staatlich garantierter Mindestlohn für Freiberufler. Welche Blüten derlei staatliche Fürsorge treibt, ist zurzeit am Beispiel des insolventen Autobauers Karmann zu sehen. Der Insolvenzverwalter hat für die ersten 90 Tage seiner Bemühungen die Rechnung eingereicht. Sie beträgt sage und schreibe 3,9 Millionen Euro. – Netto. Und er muss sich nicht einmal sagen lassen, dass er wie ein Geier über den Kadaver Karmann herfällt. Die gesetzlich festgelegte Gebührenordnung für Insolvenzverwalter garantiert ihm dieses Einkommen. Nicht, dass wir ihm sein fürstliches Einkommen für das 90-Tage Projekt nicht gönnen, aber seltsam finden wir den staatlich garantierten Mindestlohn für Millionäre schon. Mehr dazu bei der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Firmen berichten über Fachkräftemangel.

14. Juni 2010


Die Pressemeldung des Branchenverbandes Bitkom wirkt wie aus einer vergangenen Zeit. Sie ist aber ganz aktuell und weist auf einen IT-Fachkräftemangel hin. Derzeit gäbe es 20.000 offene Stellen. Jedes dritte IT-Unternehmen gab laut Bitkom an, dass der Fachkräftemangel die Geschäftstätigkeit bereits bremst. Die ganze Bitkom Pressemeldung findet man hier. Eine Meldung des Nachrichtensenders NTV zum gleichen Thema gibt es hier.

Der Blick in den Stellenmarkt von OpenProfiles gibt der Meldung recht. Lange nicht mehr gab es so viele offene IT-Stellen. Und auch der IT-Projektmarkt nimmt nach der Finanzkrise wieder Fahrt auf. Firmen aktivieren die in der Krise stornierten IT-Projekte. Die IT-Genossenschaft JARIVA hatte jüngst Programmierer aus dem Mainframe Umfeld gesucht.

InformationWeek: Forscher infiziert sich mit Computervirus

31. Mai 2010

Es hört sich spektakulär an, was die InformationWeek vor wenigen Tagen berichtete. Ein Forscher soll sich mit einem Computervirus infiziert haben. Um des Rätsels Lösung gleich vorweg zu verraten: Der Forscher hat sich einen mit Schadcode versehenen RFID-Chip implantiert. Mehr nicht. Irgendwie enttäuschend. Der Schadcode hat ihm keinen dritten Arm wachsen lassen. Der Code war lediglich in dem Chip und der Chip im Forscher. Er hätte ihn sich auch in die Hosentasche stecken können.

Da warten wir schon gespannt auf die nächsten Schlagzeilen. Ein Vorschlag: Forscher kann neue Sprachen in 2 Sekunden erlernen. Die Lösung: Er verschluckt einen Speicherchip mit elektronischem Duden. Oder, in Anlehnung an einen alten Witz: Forscher verdoppelt seinen IQ im Handumdrehen. – Er verschluckt eine Fliege.

Hätte der Forscher doch wenigstens ein wenig Mut bewiesen, und sein Smartphone aufgegessen. Zumindest alle medizinisch interessierten Zeitgenossen wären beeindruckt gewesen. Und sie hätten gespannt auf den Fortgang der Story gewartet. Verdauung, Wiedergeburt und Erweckung des Handys zu neuem Leben. Auch nicht schlecht: Forscher gebiert Handy per Kaiserschnitt. Das wünschen wir ihm natürlich nicht und hoffen auf eine natürliche Wiedergeburt des Telefons.

Cobol lebt.

26. Mai 2010


Blättert man durch Computer-Zeitungen könnte der Eindruck entstehen, dass IT hauptsächlich mit Internet, E-Commerce und PCs zu tun hat. Keine Spur von klassischen Programmiersprachen wie Cobol. Fast könnte man meinen, dass Cobol und das Großrechner-Umfeld ausgestorben sind.
Das das aber keineswegs so ist, zeigt der Blick in die Jobbörsen. Auch heute noch werden Cobol-Spezialisten gesucht. Beispielsweise die IT-Genossenschaft JARIVA: Sie sucht gleich mehrere erfahrene Cobol-Programmierer auf freiberuflicher Basis für ein IT-Projekt im IBM Mainframe Umfeld. Hier …
Dort wo Batchverarbeitung vor 20 Jahren Sinn machte, ist sie auch heute noch vielfach anzutreffen. Namentlich bei Banken, Sparkassen, Versicherungen und Industrieunternehmen. Längst nicht alle Unternehmen haben auf ein Client-Server Umfeld umgestellt. Für einige Unternehmen macht es sogar Sinn beides nebeneinander zu haben. Den klassischen Host, und die Serverfarmen für das SAP R/3 Umfeld.

Minus 2,3 %: Dax auf Talfahrt. – Bild des Tages.

25. Mai 2010

Vom Stress der Redaktionen, die Titelseite mit Text zu füllen.

7. Mai 2010

Die Tageszeitungen stecken in einem schier ausweglosen Dilemma. Die zahlende Kundschaft läuft davon. Die Zeitungen sind gezwungen zu sparen. Preise für Betriebskosten wie Papier und Alkohol steigen. Trotzdem muss die Titelseite mit Text gefüllt sein. – Jeden Tag!

Heute präsentierte der Bremer Weser-Kurier seinen Lösungsansatz. Es wird auf jeden Fall spannend, wie sich dieser Ansatz weiterentwickelt.

Meinungsfreiheit im Internet.

6. Mai 2010

Einige Kollegen reiben sich die Augen, wegen der in letzter Zeit etwas deutlicheren Meinungsäußerungen im sonst so friedlichen Freelancer-Blog. Ganz aktuell kam die Frage auf, ob Blogs deutlich fragen dürfen, ob bei Xing zensiert wird. Siehe hier: Freelancer-Blog.

Ich meine, man darf.
Zum Einen, weil ich es selbst erlebt habe. Sonst hätte ich es wahrscheinlich nicht geglaubt. Forsche Xing Gruppen-Moderatoren löschen Beiträge, die ihnen nicht gefallen. Plötzlich tauchen sie wieder auf, aber mit verändertem Inhalt. – Ein Umstand, den ich höflich ausgedrückt, für ganz erstaunlich halte.

Zum Anderen darf man, weil unsere Rechtssprechung wiederholt klar gemacht hat, dass die Meinungsäußerung ein hohes, und schützenswertes Gut ist. Die Anwaltskanzlei Dr. Bahr hat dazu ein wirklich sehenswertes Video (auf neudeutsch: Vodcast) ins Internet gestellt.

Schmähkritik wird es im Freelancer-Blog auch künftig nicht geben. Sachliche Kritik aber sehr wohl.

Zensur bei Xing?

5. Mai 2010

Nachdem Netzpolitik.org gestern mit der Frage nach der Datensicherheit bei den VZ-Netzwerken für Aufmerksamkeit sorgte, wäre heute vielleicht ein Blick auf die Probleme anderer sozialer Netzwerke interessant. Wie sieht es beispielsweise bei Xing mit der Meinungsfreiheit aus. Oder anders formuliert: Gibt es bei Xing Zensur?

Einerseits könnte man es als persönliches Pech abtun, wenn einem kritische Diskussionsbeiträge in Internetforen gelöscht werden. Andererseits eignet sich das Thema aber auch, um einmal grundsätzliche Fragen zum Thema Meinungsfreiheit zu stellen. Zumal dann, wenn es sich mit Xing um Deutschlands größtes Businessnetzwerk handelt, und der Betreiber zu größeren Teilen einem der großen deutschen Zeitschriftenverlage gehört: dem Burda Verlag.

Was war konkret los?
Ich habe innerhalb von Xing, in ein Forum mit dem Titel „Jobbörsen Linksammlung“, den Link zu unserer eigenen Jobbörse eingetragen. Eine Jobbörse, die keine kommerziellen Interessen verfolgt, sondern direkt zu den IT-Stellenausschreibungen der Unternehmen verlinkt.
Dieser Beitrag wurde von der Gruppenmoderation umgehend gelöscht. Begründet wurde die Löschung mit den Gruppenregeln. Meine Rückfrage, warum ausgerechnet mein Beitrag gelöscht wurde, alle anderen gleichartigen Beiträge aber nicht, wurde bis heute nicht beantwortet. Auch die Rückfrage an Xing, ob die Gruppenmoderation hier evtl. Mitglieder ungleich behandeln, wurde nicht konkret beantwortet. Der Beitrag blieb gelöscht.

Einige Tage später habe ich in der gleichen Gruppe einen Diskussionsbeitrag mit einer zugegebenermaßen etwas reißerischen Überschrift eingestellt. Nachlesen kann man ihn hier: Freelancer-Blog.
Dieser Beitrag überlebte nur wenige Minuten. Kommentar der Moderatoren: keiner.

Da eine Diskussion über die Meinungsfreiheit der Xing-Kunden innerhalb Xing selbst nicht möglich ist, muss sie außerhalb geführt werden. In den frei zugänglichen Medien, die zudem noch kostenlos zugänglich sind.

Meine Fragen:

Hält Xing seine nebenberuflichen Moderatoren an, Zensur auszuüben?
Sind Xing-Gruppen Tummelplätze von Interessengruppen, die andere Meinungen nicht zu Wort kommen lassen?

Ich würde mich freuen, wenn die großen und reichweitenstarken Internetmedien diese Diskussionen führen würden. Ein kleiner Freelancer-Blog für die Berufsgruppe von Freiberuflern aus der IT-Branche ist mit Diskussionen dieser Dimension vielleicht etwas überfordert. Nur noch einmal zur Erinnerung: Es ging darum, den Link zu einer nicht kommerziellen Jobbörse einzustellen. Das ist wahrscheinlich, in einer Xing-Gruppe für Personalmakler nicht erwünscht.
Viel Spaß beim Diskutieren.

PS.
Ob Xing-Kunden ein Kündigungsrecht haben, wenn ihre Beiträge einfach gelöscht werden?
Es hat schon ein wenig etwas von Masochismus: Da zahlt man bei Xing dafür, schlecht behandelt zu werden. ;-)

Meinungsfreiheit bei Xing. Welche Themen nicht behandelt werden dürfen. Ein Beispiel:

5. Mai 2010

Zensur in der Gruppe “Bewerbung und Recruiting”?

Da denkt man doch, dass Zensur in modernen sozialen Internet-Netzwerken eigentlich kein Thema ist. Jedenfalls nicht hier bei uns in Europa. Jeder plaudert über Gott und die Welt; und wenn es doch Zensur geben sollte, dann wahrscheinlich eher im fernen Osten. Vielleicht bei Xing in der Volksrepublik China. Aber es scheint sie auch hier zu geben. Natürlich nicht in dem Ausmaß wie in China, aber im Kleinen merkt man sie doch.

Der Fall:
Kürzlich hatte ich entdeckt, dass es in der Gruppe “Bewerbung und Recruiting” ein Forum namens „Jobbörsen Linksammlung“ gibt. Der Blick in die Postings des Forums zeigte, das tatsächlich drin ist, was auch drauf steht: Nämlich Links zu Jobbörsen. Also habe ich den Link zur Jobbörse von OpenProfiles ebenfalls eingetragen. Sogar ohne schlechtes Gewissen, denn die Jobbörse arbeitet ganz ohne kommerzielle Interessen. Sie zeigt einfach die direkten Links zu den IT-Jobs. Natürlich nur zu Jobs von renommierten Firmen. So wie es sich für eine Jobbörse gehört, die auf Qualität achtet. Es gibt keine Zwischenvermittlung, und es gibt keine Provision. Damit man eine Vorstellung von dem bekommt über was gesprochen wird, kommt hier noch einmal der Link: www.OpenProfiles.de/jobs

Schon kurz nachdem ich den Link zur Jobbörse eingetragen hatte, meldete sich die Moderation des Forums. Kurze Nachricht: Der Beitrag wurde gelöscht. Er verstößt gegen die Regeln der Gruppe.

Wiebitte? Da gibt es ein Forum das den Titel „Jobbörsen Linksammlung“ trägt. Jeder darf seine Jobbörse eintragen, nur ich nicht?
Eine kurze, und freundlich formulierte Anfrage an die Gruppenmoderatoren sollte den Irrtum bestimmt beseitigen können. Aber die Gruppenmoderatoren sind beinhart. Die Gruppenregeln gelten. Ich hätte gegen sie verstoßen. Erklärungen müsse man nicht abgeben. Und im Übrigen hätte man für mich auch keine Zeit.

Was meinen die anderen Gruppenteilnehmer zu dieser Begebenheit?
Bin ich auf dem falschen Dampfer?
Habe ich hier ein Verständnisproblem?
Oder schleicht sich hier etwas ein, was man eigentlich nicht haben möchte?

Für eine rege Diskussion und offene Antworten schon im Voraus besten Dank.